Liebe Freunde der Musik,

als übergreifende Programmidee für die Badenweiler Musiktage 2020 schwebte mir die Korrespondenz von Frühjahrs- und Herbstfestival vor, nämlich die Gegenüberstellung zweier höchst individueller Künstlerpersönlichkeiten als Artists in Residence: der Geiger Ilya Gringolts im Frühjahr und der Komponist Márton Illés im Herbst. Die Verbindung beider Festivalausgaben liegt im künstlerischen Credo von Márton Illés: „Ich glaube, ich bin völlig unabhängig von irgendwelchen Schulen und Ansichten oder von irgendwelchen Zwängen.“ Dieses Credo einmal aus interpretatorischer und einmal aus kompositorischer Perspektive als ästhetisches Prinzip erlebbar zu machen, war meine Leitidee. Und damit sie nicht gänzlich dem Virus an heim fällt, wird jetzt bei den Herbst-Musiktagen ein Konzert mit Ilya Gringolts und dem Pianisten Brice Pauset nachgetragen.

Dass sich der aus Ungarn stammende Komponist, Pianist, Schlagzeuger und Dirigent Márton Illés derart unabhängig fühlt, ist sicher auch ein Verdienst seines wichtigsten Lehrers, Wolfgang Rihm. Als junger Komponist war Rihm selbst Stammgast bei den Römerbad-Musiktagen in Badenweiler – jetzt ist sein ehemaliger Student gleichsam in zweiter Generation an der Reihe.

Illés versteht sich in erster Linie als „kammermusikalischer Komponist“, was ihn für die Badenweiler Musiktage geradezu prädestiniert. Zum Festival-Motto „Wien – Budapest“ liefert Illés eine zwingende Verbindungslinie, die über die einstige k.u.k. Doppelmonarchie und den gemeinsamen Kulturraum hinausgeht: „Es gibt keine Kunst ohne Energie“, argumentiert Illés. Und wer steht am Imposantesten für diese energetischen Wirkungen ein? Richtig, Beethoven! Ein ganzer Tag, der 8. November, ist mit zwei Konzerten Beethovens 250. Geburtstag gewidmet: zum Glück kommt er erst noch, am 17. Dezember 2020.

Lotte Thaler – Intendantin