Echos – ferne Erinnerungen

Liebe Freunde der Musik,

Was wäre Musik ohne Erinnerung? Für den aktiven Zuhörer ist sie das einzige Medium, ein transitorisches unwiederholbares Konzertereignis „für die Ewigkeit“ aufzubewahren.

Für jeden Komponisten ist die Erinnerung an Musik das Reservoir, aus dem er schöpft. Keine Musik, weder alte noch neue, ist ohne Bezug auf Vorausgegangenes oder Gegenwärtiges denkbar.

Immer gibt es eine mehr oder weniger bewusste Referenz an schon Gehörtes, sei es durch kompositorische Nähe oder gerade durch Distanz. Da wir unsere Ohren nicht wie unsere Augen verschließen können, gelangt heute, im Zeitalter medialer Überflutung, sehr viel mehr Musik in unser inneres Hörarchiv als wir wahrnehmen. Und irgendwo in unserem Kopf muss es einen Bereich geben, in dem die Musik der Vergangenheit und Gegenwart, die Musik der verschiedensten Stilrichtungen und Kategorien in einem riesigen Pool zusammenfällt: das ist die Ausgangsposition für den diesjährigen Jubilar Bernd Alois Zimmermann.

Mit seiner ästhetischen Postulierung von der „Kugelgestalt der Zeit“ schafft er einen Resonanzraum für die unterschiedlichsten Echos der Musikgeschichte und setzt die theoretisch begründete Gleichzeitigkeit alles Gehörten in die kompositorische Praxis um, etwa in den „Monologen“ für zwei Klaviere. Doch nicht nur bei ihm ist einer der am besten erinnerten Vorgänger der Komponist Johann Sebastian Bach. Auch im Klavierzyklus „Préludes“ von Claude Debussy, dem anderen Jubilar 2018, hallt ein fernes Bach-Echo nach, wenngleich nur im Titel seiner zwölf Präludien – ohne Fugen.

Ich wünsche Ihnen viele Antennen für die fernen und nahen Erinnerungen in diesem Programm!

Ihre Dr. Lotte Thaler

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